„Endstation Vernichtung“

... hieß eine Ausstellung, die die beiden Historiker Sabine Schalm und Andreas Heusler mit dem DGB-Bildungswerk erarbeitet haben und für die sie einige neue Entdeckungen in den Archiven gemacht haben. Zum Beispiel die bislang unbekannte Tatsache, dass die Waggons Richtung Dachau, Theresienstadt und Auschwitz in unmittelbarer Nähe der Hackerbrücke losrollten: Am alten Milchladehof und der Eilguthalle. Etwa dort, wo heute der Neubau des Europäischen Patentamts steht:



 

Von den ca 12.000 jüdischgläubigen Deutschen in München um 1932 waren bis zum Beginn der massenhaften Judenmorde rund 7.500 geflüchtet. Im November 1941 fuhr mit der Reichsbahn die erste Massendeportation durch Nazis aus dem Stadtgebiet los. Es folgten 42 weitere Transporte mit rund 3000 Personen, die für die Betroffenen meist in den Tod führten. Die amerikanische Armee fand nach der Befreiung Münchens lediglich 84 überlebende Juden in der Stadt.

 

http://www.zug-der-erinnerung.eu/zug.html



Film "Zug der Erinnerung" (flash-Player notwendig)
  • 8.1.1942: Benutzung von Verkehrsmitteln durch "Juden" nur mit Sondergenehmigung

 

  • 8.1.1942: Verbot der Benutzung öffentlicher Fernsprechstellen durch "Juden"

Alexander Schmorell

In der Bergmannschule arbeitete ein junger Mann, der im Jahr 2012 von der russisch-orthodoxen Kirche heilig gesprochen wurde: Alexander Schmorell, Aktivist der Widerstandsbewegung „Weiße Rose“.

 

In Orenburg in Russland wurde Alexander Schmorell am

16. September 1917 geboren. Nachdem seine russische Mutter starb, zog sein deutschstämmiger Vater mit dem Kleinkind nach München. 

 

Nach seinem Abitur und Arbeitsdienst wurde Alexander zum Wehrdienst eingezogen. 1939 begann er in Hamburg sein Medizinstudium, von dem er im Frühjahr 1940 abberufen wurde. Als Sanitäter versorgte er Verwundete an der Westfront. Solche Einsätze zum Dienst am Vaterland mussten Studenten während der vorlesungsfreien Zeit leisten.

Zu Semesterbeginn durften sie dann wieder an ihre Universitäten zurückkehren.

Zur 2. Studentenkompanie in München kam Schmorell im April 1941, sein Einsatzort war in der Bergmannschule (Bergmannstraße 36). Hier lernte er auch Hans Scholl und Willi Graf kennen, in denen er Gleichgesinnte fand. Schmorell und Scholl famulierten am selben Krankenhaus, trafen sich auch in ihrer Freizeit. Allmählich festigte sich ihr Entschluss, gegen das nationalsozialistische Regime aktiv zu werden.

 

Zwischen dem 27. Juni und dem 12. Juli 1942 verfassten und versendeten die beiden die ersten vier Flugblätter der „Weißen Rose“. Es war Schmorell, der eine Schreibmaschine und einen Vervielfältigungsapparat organisierte. Auch bei der Formulierung der Texte übernahm er wichtige Passagen:

Ihm wird unter anderem der Teil des zweiten Flugblatts zugeschrieben, in dem der Holocaust an den Juden angeprangert und als „fürchterlichstes Verbrechen an der Würde des Menschen“ verurteilt wird, wie die Bundeszentrale für politische Bildung (www.bpb.de) informiert.

 

Ende Juli 1942 wurden Schmorell, Scholl und Graf in die Sowjetunion zur „Front-Famulatur“ abkommandiert. So kam es, dass Alexander in deutscher Militäruniform in sein Geburtsland zurückkehrte.

 

Im Januar und Februar 1943 – wieder in München – arbeitet Schmorell an der Herstellung und Verbreitung des fünften und sechsten Flugblatts der „Weißen Rose“ mit. Letzteres verfasste der regimekritische Professor Kurt Huber, der die Gruppe seit Ende 1942 aktiv unterstützte. Im Januar 1943 kamen Flugblätter der „Weißen Rose“ auch in den vier Kompanien der Bergmannschule in Umlauf. Nachts malten die drei Freunde Freiheits-

parolen an die Wände öffentlicher Gebäude.

 

Dass die Gestapo schon bald nach den Mitgliedern der Widerstandsgruppe fahndete, war zu erwarten. Nach der Verhaftung von Hans und Sophie Scholl am 18. Februar 1943 versuchte Schmorell unterzutauchen. Knapp ein Jahr darauf – am 24. Februar 1943 – wurde er während eines Bombenangriffs in einem Luftschutzkeller erkannt und verhaftet. Bereits am 19. April 1943 wurden Alexander Schmorell, Willi Graf und Professor Kurt Huber vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung durch das Fallbeil erfolgte am 13. Juli 1943 in München. Alexander Schmorell war damals gerade mal 25 Jahre alt.

 

Quelle: Münchner Wochenanzeiger

 

Im November 1981 sprach die russische Auslandskirche die Neumärtyrer Russlands während der NS-Periode heilig. Eine Verherrlichung Alexander Schmorells wurde zwar nicht durchgeführt, aber er wird zusammen mit den Neumärtyrern Russlands als Märtyrer verehrt. Im Jahr 2007 beschloss die russisch-orthodoxe Kirche im Ausland die Heiligsprechung von Alexander Schmorell; der Festakt zur Heiligsprechung fand am

4. Februar 2012 in der Münchner Kathedralkirche statt.

Der Gedenktag des hl. Alexander von München in der Liturgie ist der 13. Juli. (Quelle: Wikipedia)

 

 

Das katholisch-konservative Milieu

 
Vor der "Machtergreifung" hatten in München die katholisch­-konservativen Kreise am meisten Macht und Einfluß. Aus Angst vor dem Kommunismus und aus nationalistischen Erwägungen heraus waren manche bereit, mit der NS­-Bewegung zu paktieren. Doch machten der tiefverwurzelte Katholizismus und das Pochen auf bayerische Eigenständigkeit auch resistent gegenüber der nationalsozialistischen Ideologie.

Die katholische Kirche konnte sich als einzige unabhängige Institution neben
dem NS-­Regime behaupten. Viele Priester nahmen Verfolgungen auf sich, um ihren Glauben und die Rechte der Kirche zu verteidigen. Auf den Kronprinzen Rupprecht richteten sich die Hoffnungen zahlreicher "Königstreuer", die die bayerische Monarchie wiedereinführen wollten. Einige bayerische Föderalisten emigrierten ins Ausland. Im Laufe der Jahre entstanden mehrere Widerstandskreise, die gegen das verbrecherische Regime und seit 1939 auch gegen seine Kriegsführung agierten. Sie fürchteten, daß es nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus zu einem Bürgerkrieg kommen werde, und stellten Planungen an, um diesen zu verhindern.

 

 

 

Geroltstraße 24

 

Wohnsitz von

Josef Zott

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

JOSEF ZOTT
städtischer Bauaufseher, geboren am 16.5.1901 in München,
leitete zusammen mit Adolf Freiherr von Harnier eine konservativ-monarchistische Gruppe von Regimegegnern, der 1939 ca. 150 Mitglieder angehörten. Ziel des sog. Harnier-Kreises war die Rückkehr zur katholischen Monarchie der Wittelsbacher, jedoch ohne einen gewaltsamen Umsturz des "Dritten Reiches". Zott wurde 1939 verhaftet, nach fünfjähriger Untersuchungshaft 1944 zum Tod verurteilt und am 16. Januar 1945 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.

 

"Der Staat ist in den Händen eines Irren"
 
Der Kreis um Adolf Freiherr von Harnier
 
Aus den zahlreichen bayerisch-­monarchistischen Freundeskreisen und Stammtischrunden formierte sich nach 1933 in München eine Gruppe, die aktiv für ihre Überzeugung eintreten wollte. In dem Rechtsanwalt Frhr. von Harnier fand sie 1936 ihren führenden Kopf. Als kompromissloser Gegner des Nationalsozialismus war Harnier von seinen Standesgenossen zutiefst enttäuscht; bei den "einfachen" Leuten der königstreuen Gruppe fand er die aufrechte Haltung, die er sonst vermisste. In Privatwohnungen hielt er Vorträge über die verbrecherische Natur des NS-­Regimes. Ziel war, für die Zeit nach dem Zusammenbruch eine Auffangorganisation zu bilden. Harniers eifrigster Mitarbeiter, Josef Zott, drängte auf eine Radikalisierung des Widerstands. Durch unermüdliche Werbearbeit gewann der Kreis schließlich über 130 Mitglieder in ganz Bayern. Doch die Gestapo war all die Jahre über dabei: Über einen Kontakt Zotts zu Kommunisten hatte sie drei Spitzel einschleusen können. Im August 1939 rollten die Massenverhaftungen an. Zott wurde zum Tode verurteilt, Harnier starb bei Kriegsende im Zuchthaus Straubing.

 

 

 

 

 

 

Von der Gestapo aufgenommene und
zusammengestellte Fotos der "Hauptbeschuldigten" des Harnier-­Kreises.

 Quelle: Kulturreferat der Landeshauptstadt München



 

Fronleichnamsprozessionen

 

Zur großen Fronleichnamsprozession hatte die Stadt München bis 1933 das Rathaus geschmückt und die städtischen Anwesen an den Zug-Straßen beflaggt. Der Stadtrat wollte das eigentlich auch 1934 tun, nahm dann jedoch davon Abstand: "Mit Rücksicht darauf, dass die katholischen Instanzen noch bei keiner nationalen Feier die nationalen Farben gezeigt haben, sehe man sich gezwungen, auf die Beflaggung und Schmuck zu verzichten", ließ der Stadtrat mitteilen.

Fronleichnamsprozession

mit Kardinal Faulhaber

(1936)

 

Foto: Maria Penz,

Stadtarchiv München –

Fotosammlung, ZBE_F0180

Fronleichnamsprozession 1943
Trotz der offensiven antikirchlichen Politik des Regimes blieben die
Teilnehmerzahlen an den großen kirchlichen "Kundgebungen" sehr hoch.

 

 

 

 

 



 

Ehemaliges Messegelände (Ausstellungspark)

 

Seit Ende der 1920er Jahre war das Gelände Schauplatz mehrerer rechtsgesinnter und völkischer Veranstaltungen:

 

 

 

1927 waren die Ausstellungshallen Versammlungsort des 18. "Deutschen Bundesschießens" mit 4.500 Teilnehmern.

 

Oberbürgermeister Dr. Karl Scharnagl bei der Eröffnungsrede am Fuße der Bavaria:

 

Zum Abzug der französischen Besatzungstruppen aus dem Rheinland veranstaltete die NSDAP hier ein "Befreiungsfest" unter dem Motto "Der freie Rhein" zur Huldigung des rechten "Freiheitskämpfers" Leo Schlageter:



Albert Leo Schlageter (* 12. August 1894 in Schönau im Schwarzwald (Baden); † 26. Mai 1923 auf der Golzheimer Heide bei Düsseldorf) war ein militanter politischer Aktivist während der französisch-belgischen Ruhrbesetzung. Dabei beging er Bombenanschläge und andere Sabotageakte, woraufhin er von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Schlageter war zeitweise Angehöriger eines Freikorps.

In der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus galt er der extremistischen Rechten und ihren Bündnispartnern als „Märtyrer“.

Die republikanisch-demokratischen Parteien dagegen lehnten seine Methoden (zeitgenössisch: „aktiver Widerstand“/heutige Historiografie: „Terrorismus“) wie auch die Heroisierung und Mythisierung seiner Person entschieden ab.



(Quelle: wikipedia / Bild: Bundesarchiv_Bild_183-J27290)



 

Theresienwiese ("Versammlungsplatz")

 

Auf der Theresienwiese, auf der ein Rund von Fahnenmasten sowie eine Tribüne für 2.000 Personen errichtet worden waren, fanden ab 1933 die Kundgebungen der Nationalsozialisten zum 1. Mai, dem "Tag der nationalen Arbeit" statt. Die Feierlichkeiten begannen bereits am Vortag mit dem Hissen von "Hakenkreuz"-Fahnen in allen städtischen Betrieben sowie im Rathaus. Innenminister Adolf Wagner lud zur Feier des 1. Mai "1.000 der ältesten Arbeiter der Münchner Betriebe" zu einem Festessen in den Löwenbräukeller.


Indem die Nationalsozialisten eine von der Arbeiterbewertung lange Zeit vergeblich geforderte Aufwertung des 1. Mai in die Tat umsetzten, stilisierten sie sich erfolgreich zum eigentlichen Sachwalter der Belange der Arbeiterschaft.


Foto: Heinz Valérien, Stadtarchiv München – Fotosammlung, NS-461

 

 

Außen- oder Nebenlager des KZ Dachau : Bergmannschule

 

(22.01.1945 - 24.04.1945)

 

Arbeit: Dienstleistungen

 

nur männliche Häftlinge



 

Titelbildnachweis: br-online.de



Quellennachweis: Wikipedia